GV beschliesst Umstellung
Die Mitgliederversammlung vom Februar 2020 beauftragte daher den Vorstand sowie zwei fachkundige Clubmitglieder, ein Konzept samt Kostenvoranschlag für eine vollständig digitale Steuerung der Anlage zu erarbeiten. Kurz darauf brach die Corona-Epidemie aus. Dies führte zu einer teilweisen Schliessung des Clubs, nicht aber zu einem Stillstand der Arbeiten. Das gewünschte Konzept lag bereits im Sommer 2020 vor. Eine ausserordentliche Mitgliederversammlung stimmte ihm im September 2020 zu und bewilligte für die Umsetzung einen Kredit von Fr. 18'000. Das Konzept sah vor, ohne Verzug den Umbau auf die neue Steuerung vorzubereiten und nach den Vorführungen im Winter 2020, d.h. im Januar 2021, die G+R Steuerung ausser Betrieb zu nehmen. Corona verunmöglichte zwar öffentliche Vorführungen in den Wintern 2020/21 und 2021/22, nicht aber die Verwirklichung des beschlossenen Konzepts. Vielmehr wurde, unter Einhaltung der coronabedingten Auflagen, fleissig gearbeitet, und es gelang, schon im Verlauf von 2021 die Digitalisierung der grossen Spur 0-Anlage bedeutend vorwärts zu bringen. Auch 2022 wurde intensiv an der Digitalisierung gearbeitet, und so waren wir in der glücklichen Lage, die neue Steuerung anlässlich der Vorführtage im Dezember 2022 einzuweihen.
Die Digitalisierung des ganzen Gleisnetzes konnte anfangs August 2023 abgeschlossen werden. Seither können alle entsprechend ausgerüsteten Loks auf der ganzen Anlage digital gesteuert werden. Damit war die Arbeit indessen nicht erledigt: auch die alten Signale mussten aufgerüstet werden, um sie digital ansteuern zu können. Seit dem Sommer 2025 ist es soweit: alle alten Signale sind umgerüstet, zudem wurden eine Reihe neuer Signale aufgebaut. Und sie alle können mehrbegriffig geschaltet werden. Wie sagte doch Dölf Ogi: Freude herrscht!
Hauptkomponenten
Die neue Steuerung ist in drei Kreisen aufgebaut: Fahren, Schalten und Melden. Die Steuerung enthält folgende Hauptkomponenten:
- Zwei Zentralen der Firma Lenz (eine fürs Fahren, eine fürs Schalten), basierend auf dem Datenformat DCC (Digital Command Control). Sie sind das Herz des Digitalsystems, in dem die Datensignale erzeugt und aufbereitet werden.
- Einen Rechner (Windows PC + drei Bildschirme), von dem aus wir den Zentralen die Fahraufträge und weitere Befehle übermitteln können. Zu diesem Zweck ist auf dem PC eine entsprechende Software installiert, in unserem Fall Railroad TrainController Gold (Version 9) der Firma Freiwald. Die Verbindung zwischen Rechner und Zentrale wird über zwei Digital plus-Interfaces hergestellt, wie die Zentrale ein Produkt von Lenz. Die erwähnte Software erlaubt auch eine Steuerung der Anlage bzw. einzelner Fahrzeuge von kabellosen Geräten (z.B. einem Smartphone oder einem SmartHand Mobile) aus, die mit dem Rechner über WLAN verbunden sind. Das WLAN besteht aus 3 Wireless Routern, die im Raum verteilt wurden. Die PC Software stellt Gleisbildstellwerke auf dem Bildschirm dar, überwacht und sichert die Fahrstrecken und lässt die Züge passend vor Signalen halten.
- Fünf Doppel-Booster verstärken die von der Zentrale erzeugten Datensignale (Fahren) auf ein Mass, das zum Betrieb der Loks reicht und speisen sie zusammen mit dem Fahrstrom in das Gleisnetz ein. Die Booster sind eine Art Verstärker. Jeder Booster versorgt seinen eigenen Teil der Gesamtanlage.
- Zahlreiche Decoder dienen dazu, die Datensignale zu entschlüsseln. Es gibt unterschiedliche Decoder für unterschiedliche Aufgaben. An erster Stelle zu nennen sind die Lokdecoder, welche die Fahrbefehle der Zentrale so umsetzen, dass die Loks den Wünschen der Benutzer entsprechend fahren. Andere Decoder dienen dazu, Weichen, Signale, Beleuchtungen usw. zu steuern. Auf unserer Anlage werden die Weichen und Signale sowie ihre Decoder wie erwähnt nicht über das Gleisnetz mit Strom versorgt, sondern über einen zweiten, unabhängigen Stromkreis (Schalten).
- Weiter ist für die Steuerung eine Rückmeldung der Gleise bzw. Gleisabschnitte notwendig (Melden). Diese Rückmeldung stellt quasi die Augen des Rechners (PC) dar und erfolgt mit Belegtmeldern, welche den Strom in den einzelnen Gleisabschnitten messen und diese Messung an den PC weiterleiten. Sie zeigt dem PC, welcher Zug sich wo befindet (und wenn die einzelnen Wagen entsprechend vorbereitete Achsen haben, erkennt der Rechner auch, wenn auf einem Gleis ein verloren gegangener Wagen steht ...). Wir verwenden als Rückmeldesystem den LocoNet Bus, Belegtmelder vom Typ XN (Firma Blücher-Elektronik) und zwei Loco-Buffer Interfaces (RR-CirKits) für die Verbindung zum PC.
Die Booster, Weichen- und Signaldecoder und die Belegtmelder sind dezentral in fünf Racks auf der Anlage verteilt. Damit das alles funktioniert, war auch eine komplette Neuverdrahtung auf zentrale Klemmen in den Racks der Anlage erforderlich, dies nicht nur im Hinblick auf eine gute Versorgung mit Strom, sondern auch, um die Weichen zuverlässig schalten zu können und zuverlässige Rückmeldungen über die besetzten Gleisabschnitte zu erhalten.